10 Ausflugsziele und Geheimtipps im Bayerischen Wald mit Kindern

Zehn Orte zwischen Baumkrone und Bergwerk

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Was für ein Wald! Wir hatten den Bayerischen Wald jahrelang für die stillere, ein wenig unauffällige Schwester der Alpen gehalten. Dann standen wir dort 45 Meter unter Tage in einem Graphitstollen, 44 Meter hoch über den Baumkronen und auf einem Gipfel, der aus nichts als losen Granitblöcken besteht. Alles in einem einzigen Urlaub.

Diese Gegend hat mehr zu bieten, als sie vermuten lässt. Da ist der älteste Nationalpark Deutschlands, der sich seit 1970 weitgehend selbst überlassen bleibt. Wir waren in einem Graphitbergwerk unter Tage, sind durch einen 50 Hektar großen Waldspielplatz gelaufen und haben Wölfe und Luchse gesehen. Dazu kommen Glasbläser, Steinbrüche, Bohlenwege durchs Moor und eine Sommerrodelbahn mit vier Kreiseln hintereinander.

In diesem Guide findet ihr zehn Ausflugsziele, die wir während unserer Reise durch den Bayerischen Wald besucht haben. Wir verraten euch, welche Ziele nichts kosten und mit welcher Gästekarte ihr beim Eintritt spart.

1. Baumwipfelpfad Bayerischer Wald: stufenlos durch die Baumkronen

Ein Spaziergang, nur eben 25 Meter über dem Waldboden. Auf 1,3 Kilometern führt der Baumwipfelpfad durch die Baumkronen des Bayerischen Waldes. Mal geht es zwischen den Bäumen hindurch, mal öffnet sich der Blick weit über den Wald. Und weil der gesamte Weg stufenlos ist, lässt er sich auch mit Kinderwagen gut laufen.

Am Ende wartet der 44 Meter hohe Turm in Form eines Eis. Der Aufstieg zieht sich ein bisschen, aber oben angekommen liegt euch der Bayerische Wald zu Füßen. Wer es gerne etwas ruhiger mag, kommt am besten am Vormittag.

Für 2,50 Euro gibt es an der Kasse ein Rätselheft dazu. Die Antworten verstecken sich auf den Tafeln entlang des Weges. Bei uns waren die Kids damit plötzlich deutlich schneller unterwegs als vorher. Ein kleiner Zettel, erstaunlich viel Motivation.

Alles zum Baumwipfelpfad Bayerischer Wald

2. Tier-Freigelände Neuschönau: Wölfe, Luchse und sieben Kilometer Wald

Hier braucht ihr ein bisschen Geduld. Und Glück. Denn das Tier-Freigelände ist kein Zoo. Rund 40 heimische Arten leben auf über 200 Hektar in großen Gehegen. Die sind so weitläufig, dass sich ein Wolf problemlos aus dem Staub machen kann, bevor ihr überhaupt in seine Nähe kommt.

Bei uns hat sich an einem ganzen Nachmittag kein einziges Säugetier gezeigt. Die Vögel am Waldrand und in den Volieren haben wir natürlich gesehen, ansonsten blieb es bei uns bei leeren Gehegen. Und trotzdem war es ein wunderschöner Spaziergang durch den schon leicht herbstlichen Wald.

Wenn ihr möglichst viele Tiere entdecken möchtet, lohnt es sich, früh am Morgen oder am späten Nachmittag zu kommen. Zu diesen Tageszeiten sind die Tiere meist aktiver und die Chancen auf Sichtungen entsprechend besser.

Der komplette Rundweg ist sieben Kilometer lang, zwei Abkürzungen bringen euch auf drei. Für Familien reicht die kurze Variante völlig, sie führt an den meisten großen Gehegen vorbei.

Direkt daneben liegt das Hans-Eisenmann-Haus mit einem Entdeckerbereich, wo die Kinder Bewegung und Lernen ganz simpel verbinden können. Beides kostet keinen Eintritt.

Alles zum Tier-Freigelände im Nationalpark

3. Waldspielgelände Spiegelau: 50 Hektar Wald zum Spielen

Hier braucht es eigentlich nicht viel Überredungskunst. 50 Hektar Wald stehen zum Spielen bereit, mit Klettergerüsten, Rutschen und Balancierbalken dazwischen. Angelegt wurde das Gelände 1978 unter dem Motto „Spielend die Natur begreifen“. Und während man als Eltern noch überlegt, ob das jetzt ein Programmpunkt oder einfach nur Wald ist, sind die Kinder meistens schon unterwegs.

Es gibt Holzzüge für die Kleinen, eine Seilrutsche für die Größeren und eine Spechthöhle zum Hineinkriechen. Dazu kommt ein Barfußpfad. Auf der Waldwiese steht eine Feuerstelle, an der ihr grillen dürft, das Holz liegt bereit.

Plant ruhig mehr Zeit ein. Eine Stunde ist hier schnell vorbei, vor allem wenn die Seilrutsche gerade zum Lieblingsplatz erklärt wurde.

Alles zum Waldspielgelände Spiegelau

4. Lusen mit Kindern: der Gipfel, auf dem der Weg aufhört

Mit dem Igelbus geht es vom P+R Graupsäge hinauf zum Lusenparkplatz und dabei spart ihr euch drei Kilometer und rund 250 Höhenmeter zu Fuß. Parken und Busfahren sind hier kostenlos. Oben angekommen führt euch ein Rundweg von 4,7 Kilometern mit 220 Höhenmetern weiter Richtung Gipfel.

Dabei passiert etwas, das man bei einer Wanderung eher nicht erwartet: Kurz vorm Gipfel hört der Weg auf. Die letzten gut 400 Meter führen über ein Meer aus Granitblöcken. Kein markierter Weg mehr, jeder sucht sich seine eigene Route zwischen den Felsen. Laut Sage liegt darunter sogar ein Goldschatz. Für Kinder ist das natürlich eine deutlich bessere Erklärung dafür, warum man jetzt noch über all diese Steine klettern muss.

Die Himmelsleiter ist dabei nichts für kleine Wanderanfänger. Wer hier aufsteigt, sollte trittsichere Kinder dabeihaben. Kurz unter dem Gipfel wartet dafür das Lusenschutzhaus mit Kaiserschmarrn. Und der schmeckt nach den letzten Metern über die Granitblöcke ziemlich verdient.

Alles zur Lusen-Wanderung mit Kindern

5. Sommerrodelbahn Bärenbob: 1.250 Meter und vier Kreisel

„Nochmaaaaaaaal.“ Mehr haben die lachenden Münder unserer Kids nach der ersten Fahrt nicht rausgebracht. Mit 1.250 Metern ist der Bärenbob in Grafenau die längste Sommerrodelbahn der Region. Der Schlepper zieht euch hinauf, bergab folgen Doppeljump, Waldpassage und am Ende vier Kreisel hintereinander, die der Betreiber Kreiselmonster nennt.

40 km/h klingt nach viel, das Tempo bestimmt ihr aber selbst, und die Bobs bremsen zuverlässig. Mitfahren dürfen Kinder ab drei Jahren, allein fahren ab acht.

Alles zur Sommerrodelbahn Bärenbob

6. Besucherbergwerk Kropfmühl: 220 Stufen, 12 Grad, schwarze Hände

Unser Schlechtwetterziel Nummer eins, nur mit einem kleinen Haken: Schaut unbedingt auf die Öffnungstage, bevor ihr den Tag plant. Geöffnet ist das Besucherbergwerk von Donnerstag bis Sonntag, mit Führungen um 11 und um 13 Uhr.

Dafür geht es ins einzige Graphitbergwerk Deutschlands. Mit Helm und Kittel steigt ihr über 220 Stufen rund 45 Meter in die Tiefe. Unten sind Sprengung und Probebohrung nachgestellt. Und dass die Pressluftgeräte allesamt Frauennamen tragen, sorgt unterwegs für erstaunlich viel Gesprächsstoff. Unterwegs wird sogar gesungen.

Entdeckt wurde das Graphit übrigens, weil auf manchen Feldern der Schnee schneller schmolz als nebenan. Packt einen dicken Pulli ein: Unten sind es konstant zwölf Grad.

Alles zum Graphit-Besucherbergwerk Kropfmühl

7. Freilichtmuseum Finsterau: wo selbst Kinder den Kopf einziehen (müssen)

Die Türstürze hängen so tief, dass selbst die Kids den Kopf einziehen, und die Betten sind ziemlich kurz. Das und mehr kann man hier in echt bewundern und verstehen, wie früher auf 935 Metern gelebt wurde.

Das Freilichtmuseum ist groß genug, dass ihr euch in Ruhe umschauen könnt, ohne von Haus zu Haus zu hetzen. Für die Kids gibt es eine Spielscheune und Tiere, also Esel, Ziegen, Kühe und Gänse. In der Dorfschmiede wird tatsächlich geschmiedet, solange das Eisen heiß ist.

Hängt unbedingt einen Stopp bei der Glasbläserkunst Mauth an. Dort dürfen die Kids für rund zehn Euro ihre eigene Kugel blasen. Abholen könnt ihr sie allerdings erst am nächsten Tag. Am Abreisetag also besser nicht mehr pusten.

Alles zum Freilichtmuseum Finsterau

8. Dreisessel mit Kindern: Wandern zwischen riesigen Granitblöcken

Hier ist der Gipfel ziemlich schnell erreicht. Vom Wanderparkplatz auf gut 1.240 Metern sind es gerade einmal 88 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz auf dem Hochstein. Viel spannender wird es oben.

Dort stehen acht Meter hohe Granitsäulen, über Jahrtausende an allen Kanten abgerundet, als hätte ein Riese sie übereinandergeschichtet und dann vergessen. Für die Kids ist das weniger Geologie als ein ziemlich großes Klettergerüst. Eure werden also vermutlich klettern, ob ihr es eingeplant habt oder nicht.

Das Dreiländereck liegt übrigens nicht am Gipfel, sondern am Ende einer eigenen Runde von sieben Kilometern. Wenn ihr mit einem Fuß in drei Ländern stehen wollt, macht diese zuerst. Nach dem Gipfel waren unsere Beine jedenfalls nicht mehr für große Umwege zu haben.

Alles zum Dreisessel mit Kindern

9. Granitzentrum Hauzenberg: ein Museum im eigenen Steinbruch

Das Museum liegt direkt an einem alten Steinbruch, aus dem der Granit stammt, um den sich hier alles dreht. Unten steht heute Wasser, darüber liegt ein Bau mit klaren Kanten. Schon draußen ist ziemlich schnell klar, dass es hier nicht nur um hübsche Steine geht.

Nach einem Film im Granitkino bringt euch ein Fahrstuhl scheinbar ins Erdinnere. In einer dunklen Felsenhöhle funkelt dort plötzlich das vermeintlich langweilige Grau. Draußen zeigt ein Schausteinbruch, mit welcher Wucht der Granit aus der Wand geholt wurde.

Der mittlere Ausstellungsteil ist ehrlich gesagt eher etwas für Erwachsene. Und achtet auf die Uhr: Der letzte Einlass ist bereits um 15:30 Uhr.

Alles zum Granitzentrum Hauzenberg

10. Haus am Strom: Naturerlebnis an der Donau

Wenn ihr über Passau an- oder abreist, lässt sich das Haus am Strom ziemlich gut dazwischenschieben. Für elf Euro als Familienkarte bekommt ihr eine Erlebnisausstellung, einen Abenteuerspielplatz und einen Biergarten direkt an der Donau. Vieles davon funktioniert auch dann, wenn das Wetter gerade nicht ganz mitspielt.

Das Highlight für die Kids steht gleich draußen: ein sechs Meter langer Donaustör zum Draufsetzen. Der echte Hausen konnte bis zu zehn Meter lang werden und lebte früher auch hier. Heute ist er aus dem Oberlauf verschwunden, unter anderem wegen der Kraftwerke. Eines davon könnt ihr direkt vom Haus am Strom aus zu Fuß überqueren.

Drinnen wird es ziemlich schnell praktisch. Unter Mikroskopen lassen sich Insekten und Flusskrebse aus der Donau genauer anschauen. Und an einer Zange am Ast könnt ihr ausprobieren, wie sich ein Biber beim Nagen fühlt. Für Kinder gibt es also einiges zu tun, statt nur Schilder zu lesen.

Alles zum Haus am Strom

Gibt es einen Freizeitpark im Bayerischen Wald?

Wenn eure Kinder unter Freizeitpark vor allem Rutschen, Klettern und möglichst viele Stunden Beschäftigung verstehen, müsst ihr gar nicht weit suchen.

Das Waldspielgelände Spiegelau bringt 50 Hektar Wald und jede Menge Spielmöglichkeiten mit. Die Sommerrodelbahn Bärenbob hat zusätzlich einen FunPark mit Trampolinanlage und Minibaggern, der Baumwipfelpfad beschäftigt mit Rätselheft und Mitmachstationen, und das Tier-Freigelände verbindet sieben Kilometer Waldweg mit Wölfen, Luchsen und anderen heimischen Tieren.

Klassische Freizeitparks mit Fahrgeschäften findet ihr weiter westlich, etwa rund um Sankt Englmar. Das ist allerdings eine gute Autostunde entfernt und damit eine andere Ecke des Bayerischen Waldes.

GUTi: die Gästekarte, die das Auto überflüssig macht

Wenn eure Unterkunft in einer teilnehmenden Gemeinde liegt, bekommt ihr beim Einchecken eine Gästekarte mit GUTi-Logo, und zwar jeder für sich, die Kinder eingeschlossen. Damit fahrt ihr in den Landkreisen Freyung-Grafenau, Regen und Cham kostenlos mit Bus und Bahn, auf rund 200 Linien und seit einigen Jahren sogar über die Grenze nach Tschechien.

Die Igelbusse im Nationalpark sind ebenfalls dabei. Genau die bringen euch zum Lusen, zum Baumwipfelpfad und nach Finsterau. Gültig ist die Karte montags bis freitags ab acht Uhr, am Wochenende und an Feiertagen den ganzen Tag.

GUTi heißt im Bairischen übrigens Bonbon. Und wenn es nach den Kindern geht, kann man davon gar nicht genug im Rucksack haben. Oder besser: in der eigenen Jackentasche.

Fragt zusätzlich nach der aktivCARD Bayerischer Wald. Damit ist der Baumwipfelpfad einmal pro Aufenthalt kostenlos, und am Bärenbob bekommt ihr sogar Freifahrten.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Ostbayern e.V. entstanden. Baumwipfelpfad, Freilichtmuseum Finsterau und Dreisessel haben uns freien Eintritt gewährt. Unsere Meinung bleibt davon unberührt.

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