Tokyo mit Kindern

Unsere persönlichen Reisetipps und Lieblingsplätze 

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Tokyos Großraum ist die größte Metropolregion der Welt. Über 37 Millionen Menschen, 23 Bezirke allein im Kern, mehr Bahnhöfe als irgendwo sonst. Für uns war es ein absolutes Muss, diese Megastadt einmal genauer anzuschauen, zumindest einige Teile davon. Denn eines sollte man vorab wissen: Tokyo versteht man in wenigen Tagen niemals. Man blickt in einzelne Stadtteile, und wer sie klug wählt, bekommt eine gute Ahnung davon, wie viele unterschiedliche Gesichter diese Stadt haben kann.

Mit Kindern mittendrin, das klingt nach Mutprobe. War es nicht. Wir hatten vier Nächte gebucht und sind mit zwei klaren Gedanken wieder abgereist. Tolle Stadt, super Einstieg in Japan. Aber im Nachhinein hätten wir für Tokyo weniger Zeit eingeplant und dafür mehr Zeit in der Natur verbracht.

Wo wohnen mit Kindern in Tokyo: warum wir Gotanda gewählt haben

Wir haben in Gotanda gewohnt, einem Viertel, das in keinem Reiseführer als Stopp auftaucht. Es liegt im Süden Tokyos, im Bezirk Shinagawa, direkt an der JR Yamanote-Linie, der berühmten Ringbahn, die alle wichtigen Stationen verbindet. Heißt: In dreißig Minuten ist man praktisch überall.

Gotanda selbst ist Salaryman-Land. Tagsüber eilen Anzugträger durch die Gassen, abends füllen sich die kleinen Izakayas mit Feierabend-Tokyo. Kaum Touristen, dafür Lokale, in die sich kein Reisebus verirrt. Genau deshalb war es perfekt: ruhig, gut angebunden, bezahlbar.

Konkret übernachtet haben wir im OMO5 Tokyo Gotanda, einem Hotel der Hoshino-Resorts-Gruppe. Die OMO-Marke ist gezielt auf Stadterkundung und Familien ausgerichtet. Die Zimmer sind kompakt, aber clever geschnitten, mit Hochbetten für die Kinder, was bei Tokioter Hotelpreisen wirklich einen Unterschied macht. Die Lobby fühlt sich an wie ein Wohnzimmer, mit großer Stadtkarte und einem Team, das einem die besten Lokale im Viertel zeigt. Die Mitarbeiter, hier OMO Ranger genannt, führen sogar durch die Nachbarschaft und verraten ihre eigenen Lieblingsadressen. Für Familien eine klare Empfehlung.

Unser Rat, ganz unabhängig vom Hotel: Sucht euch keine Unterkunft mitten in Shibuya oder Shinjuku, sondern ein Wohnviertel mit guter Bahnanbindung. Die Kinder schlafen ruhiger, ihr zahlt weniger, und das echte Tokyo findet ihr abends ohnehin eher in der Nachbarschaft als zwischen den Neonlichtern.

Was uns in Tokyo mit Kindern am meisten überrascht hat

Tokyo ist riesig, voll und trotzdem extrem gut organisiert. Selbst am Bahnhof läuft alles nach Plan, im Restaurant sowieso. Und man darf eine ganz andere Seite der Stadt kennenlernen, wenn man die richtigen Viertel ansteuert. Wir standen zum Beispiel im Künstlerviertel Kuramae in stillen Seitenstraßen, in denen kein Auto fuhr, und dachten: Das kann doch nicht Tokyo sein. Diese Mischung aus Megacity und plötzlicher Ruhe hatten wir so nicht erwartet.

Dazu die Sache mit der Sauberkeit. Es gibt fast keine öffentlichen Mülleimer, und trotzdem liegt nirgends Müll. Alle nehmen ihren Abfall wieder mit. Die Kinder haben das nach zwei Tagen einfach übernommen, ohne dass wir etwas sagen mussten.

Und der Verkehr. Wir hatten die Bilder vom Shibuya Crossing im Kopf, von Menschenmassen, die einen mitziehen. Gibt es auch. Aber zehn Minuten zur Seite, und auf einmal hört man die Vögel rund um den Schrein zwitschern. Ein letzter, ehrlicher Hinweis fürs Planen: Öffentliche Spielplätze und Grünflächen sind in Tokyo Mangelware. Das sollte man bei einer Reise mit Kindern von Anfang an mitdenken.

Was man mit Kindern in Tokyo unternehmen kann

Unser klares Highlight war teamLab Planets in Toyosu, eine begehbare Kunstwelt aus Licht und Wasser. Man läuft barfuß durch Räume, in denen Blumen über die Wände wandern, und watet durch flaches Wasser, in dem Karpfen schwimmen, die auf den Wasserfilm projiziert sind und bei jeder Berührung in Blüten zerstieben. Kinder dürfen anfassen, mitlaufen, mitgestalten. Einer der wenigen Orte, an denen Eltern und Kinder gleichzeitig staunen. Praktisch gut zu wissen: Es geht barefuß und teils knietief ins Wasser, Kinderwagen sind drinnen nicht erlaubt, also Wechselkleidung für die Kleinen einpacken. Praktisch noch dazu: Direkt nebenan liegt der Fischmarkt von Toyosu, beides lässt sich gut an einem Vormittag verbinden.

Der berühmte Schrein nahe Shibuya ist genau jener grüne Gegenpol zum Trubel. Im Waldgürtel des Meiji-Schreins, nur ein paar Gehminuten vom Crossing entfernt, wird es schlagartig still, und man versteht, warum die Stadt so vielschichtig ist. Das Shibuya Crossing selbst sollte man einmal mitnehmen, am eindrucksvollsten von oben aus einem der Cafés, und das Shopping rundherum macht auch mit Kindern Spaß. Wer einmal richtig japanisch essen will, setzt sich zum Sushi in ein echtes Lokal, oft in einem abgetrennten kleinen Raum, wo die Kinder zur Ruhe kommen. Und für einen verregneten Nachmittag lohnt sich ein Museum für moderne Kunst.

Der Rest funktioniert in Tokyo über die kleinen Dinge. Die Spielhallen und Kapselautomaten an jeder Ecke. Die High-Tech-Toiletten mit beheiztem Sitz, die unsere Kinder ernsthaft als Attraktion gefeiert haben. Die Konbini mit ihren Schätzen. Und Manga, Pokémon, all das, was hier kein Kinderkram ist, sondern Teil der Kultur. Für unsere Kinder war das der schnellste Weg, sich mit einem fremden Land verbunden zu fühlen.

Essen mit Kindern in Tokyo: günstiger als der Mythos verspricht

Hier müssen wir mit einem Mythos aufräumen. „Japan ist teuer” stimmt pauschal nicht. Es kommt darauf an, was und wo.

Unser bester Abend war bei Yoshiko, einem winzigen Gyoza-Laden in Gotanda. Osaka-Style Gyoza, dünner Teig, kross gebraten, in Reih und Glied auf der Eisenplatte serviert. Voll mit Einheimischen, niemand sprach Englisch, an der Theke kämpften ein paar Salarymen mit ihrem Bier um die letzten Plätze. Wir zu viert, eine halbe Stunde Wartezeit, danach mehrere Portionen Gyoza, ein Bier, ein Saft. Rund 15 Euro insgesamt, und wir waren pappsatt.

Das war kein Glücksfall. Wer in Tokyo dort isst, wo die Leute wohnen, statt da, wo die Reisebusse halten, zahlt für ein richtig gutes Essen oft weniger als zu Hause. Und ein Spar-Tipp, der wirklich etwas bringt: Konbini ohne Scham. Abends ab 19 Uhr sind Bento-Boxen und Sushi dort meist um die Hälfte reduziert, und das Zeug ist gut. Wir haben mehrere Abende einfach mit einem Bento auf der Hotelterrasse beendet.

Was wir bewusst ausgelassen haben

Ein Hinweis, der uns wichtig ist: Alles, was in Japan mit Tieren zu Unterhaltungszwecken zu tun hat, haben wir gemieden. Igel-Cafés, Eulen-Cafés, Schweinchen-Cafés. So niedlich das auf Fotos wirkt, für die Tiere ist es schlicht nicht gut. Wir haben einen großen Bogen darum gemacht und es kein einziges Mal bereut.

Wie viele Tage Tokyo mit Kindern? 

Kurz gesagt: zwei bis drei Nächte reichen. Wir hatten vier gebucht, und am letzten Tag waren wir alle vier schon spürbar reizüberflutet und haben uns in ein ruhigeres Künstlerviertel zurückgezogen.

Streichen würden wir Tokyo trotzdem nie. Es ist der sanfte Einstieg in ein fremdes Land, vieles funktioniert hier überraschend leicht. Gerade mit Kindern ist das viel wert: Man kann sich erst einmal eingrooven, verstehen, wie der Hase läuft, Abläufe begreifen, die Suica-Card für alle organisieren. Den Kindern wird das Ankommen besonders leicht gemacht. Mit Pokémon, Manga und allen möglichen Automaten sind sie hier in ihrem persönlichen Paradies gelandet. Spannend zu beobachten: In Japan ist das alles kein Kinderkram, sondern wird auch von Erwachsenen gefeiert.

Was wir auch von vielen anderen Familien gehört haben: Tokyo auf 2 Aufenthalte splitten, also einmal am Anfang und einmal am Ende.

Tokyo in zwei bis drei Tagen: unser kompakter Plan

Würden wir Tokyo mit Kindern noch einmal planen, sähe es so aus. Tag eins: ankommen, im Wohnviertel anbinden, abends lokal essen. Tag zwei: teamLab plus ein Stadtviertel zu Fuß, mit viel Zeit für die kleinen Entdeckungen. Tag drei: ein letztes Highlight nach Wahl der Kinder, dann weiter.

Den Rest der Zeit würden wir am Meer von Japan verbringen. Wer Kultur, Kulinarik und Natur in Japan erleben möchte, kann einen Blick auf unsere nächsten Etappe in Toba werfen. Dort haben wir im Anschluss 3 Nächte in einem traditionellen Ryokan verbracht.

Tokyo war der erste Stopp unserer 14-tägigen Japan-Rundreise mit Kindern. Die komplette Route findet ihr in unserem großen Überblicksbeitrag.

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