Tessin mit Kindern: vier Tage Lugano mit dem Zug und ganz ohne Auto
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Irgendwo hinter dem Gotthard klebt spätestens die erste Kindernase an der Zugfensterscheibe. Draußen wird die Landschaft grüner, die Häuser bekommen plötzlich Loggien und zwischen den Bergen tauchen immer mehr Palmen auf. Das Licht wird weicher und irgendwann kommt die nächste Durchsage nicht mehr auf Deutsch, sondern auf Italienisch.
Hallo Tessin! Vier Tage lang waren wir als Familie von München aus unterwegs, komplett ohne Auto. Wir wollten herausfinden, wie gut das Tessin mit Kindern per Bahn funktioniert, ob die Schweiz tatsächlich so teuer ist wie ihr Ruf und welche Ausflüge rund um Lugano auch mit Kindern richtig Spaß machen.
Unsere Kurzfassung nach diesen Tagen: Das mediterrane Tessin ist für Familien wirklich unkompliziert. Und wer einmal mit dem Zug über die Alpen gefahren ist, versteht ziemlich schnell, warum die Anreise selbst schon ein Teil des Urlaubs sein kann. Teuer muss die Schweiz nicht immer sein und in diesem Beitrag findet ihr den einen oder anderen Tipp genau dafür.
Von München nach Lugano: sechs Stunden Landschaftskino
Von München nach Zürich fährt der Zug etwas mehr als dreieinhalb Stunden. Danach geht es weiter Richtung Süden, vorbei an Obstgärten und Seen, durch die imposante Bergwelt der Gotthardregion und schließlich hinein ins Tessin.
Während draußen die Landschaft immer mediterraner wird, können die Kinder im Zug aufstehen, spielen und sich zwischendurch auch einfach mal bewegen. Für uns ist das einer der größten Vorteile gegenüber einer langen Autofahrt: Niemand sitzt stundenlang angeschnallt auf seinem Platz und fragt alle zehn Minuten, wann wir endlich da sind.
Auf vielen Schweizer InterCity-Strecken gibt es sogar spezielle Familienwagen mit einem kleinen Spielplatz im Oberdeck. Dazu kommen Familienbereiche mit Platz für Kinderwagen. Im Fahrplan und in der SBB Mobile App erkennt ihr die entsprechenden Wagen am Bärchensymbol. Für eure konkrete Verbindung solltet ihr trotzdem vorher prüfen, welcher Zug eingesetzt wird, denn nicht auf jeder Strecke Richtung Süden gibt es einen Familienwagen.
Swiss Travel Pass und kostenlose Zugfahrten für Kinder
Beim Thema Tickets wird es kurz komplex, aber dafür lässt sich gerade als Familie einiges sparen. Der Swiss Travel Pass gilt für Bahn, Bus und Schiff und wird nur an Reisende verkauft, die keinen Wohnsitz in der Schweiz oder in Liechtenstein haben. Kinder unter sechs Jahren fahren ohnehin kostenlos. Für Kinder ab sechs und unter 16 Jahren gibt es die kostenlose Swiss Family Card, wenn ein Elternteil einen gültigen Swiss Travel Pass, Swiss Travel Pass Flex oder eine Swiss Half Fare Card besitzt.
Wichtig: Die Swiss Family Card wird nicht automatisch ausgestellt. Am einfachsten bestellt ihr sie direkt beim Ticketkauf mit. Wer das vergisst, bekommt sie auch noch an einem bedienten Schweizer Bahnschalter.
Wer auf der Anreise die bekannte Panoramastrecke über den Gotthard erleben möchte, hat außerdem zwei Möglichkeiten. Der Gotthard Panorama Express verbindet Luzern und Lugano und kombiniert Schiff und Zug. Er fährt saisonal, 2026 vom 18. April bis 18. Oktober. Dafür fällt ein Zuschlag für die obligatorische Sitzplatzreservierung von 24 Franken an, und der Zugabschnitt wird ausschließlich in der ersten Klasse angeboten.
Eine unkompliziertere Alternative ist der Treno Gottardo, der ganzjährig über die historische Bergstrecke fährt. Die großen Panoramafenster fehlen zwar, dafür ist die Fahrt vollständig im Swiss Travel Pass enthalten und vor dem Fenster seht ihr auf der Bergstrecke exakt dieselbe Landschaft.
Ankommen in Lugano: Palmen vor der Tür und der See unter uns
In Lugano angekommen, verändert sich nicht nur die Sprache, sondern auch die Luft. Sie riecht nach warmem Stein, Oleander und ein bisschen nach See. Vom Bahnhof fahren wir mit dem Bus die Serpentinen hinauf nach Albonago und stehen kurze Zeit später vor dem Reka-Feriendorf Lugano-Albonago.
Bei Reka sind wir bereits Wiederholungstäter und so war die Vorfreude groß. Die Koffer sind noch kaum ausgepackt, da sind die Kinder schon im Pool.
Reka steht in der Schweiz für bezahlbare Familienferien. Hinter dem Namen steckt die Schweizer Reisekasse, eine Genossenschaft ohne Gewinnabsicht, die seit 1939 dafür sorgt, dass Ferien nicht am Budget scheitern. In Deutschland kennt sie kaum jemand, dabei beginnt eine Woche im Feriendorf Lugano-Albonago für eine vierköpfige Familie bei 1.089 Franken.
Das Feriendorf liegt am Hang des Monte Brè oberhalb von Lugano. Sieben Häuser gruppieren sich um einen kleinen Dorfplatz, dazwischen ein Spielplatz, die Osteria und der Rekalino Kinderclub. Gewohnt wird in Apartments mit eigener Küche, ganz oben liegt der Infinity-Pool mit Blick über die Stadt und den See. Gleich dahinter ist der Kleinkindbereich mit Rutsche und Wasserspielen.
Die Betreuung im Rekalino ist unter der Woche übrigens im Preis enthalten und auch das Ticino Ticket gibt es beim Check-in gratis dazu. Was sich damit alles anstellen lässt, haben wir in einem eigenen Beitrag mit Ausflugstipps rund um Lugano aufgeschrieben.
Monte Brè: ein Ausflug über den Dächern von Lugano
Unser erster richtiger Ausflug führt uns nicht weit weg. Albonago ist eine der Zwischenstationen der historischen Standseilbahn auf den Monte Brè, und die Haltestelle liegt nur wenige Gehminuten vom Reka-Feriendorf entfernt. Wir müssen also nicht erst hinunter nach Lugano zur Talstation in Cassarate, sondern können praktisch vor der Haustür in die kleine Bahn steigen.
Schon die Fahrt macht den Kindern Spaß. Die Wagen sind schmal und stufig gebaut, beim Anfahren ruckelt es ein wenig und mit jedem Meter nach oben wird der Blick über den Luganersee weiter.
Oben angekommen, laufen wir über den Kastanienweg Richtung Brè. Der Weg führt durch schattigen Wald, vorbei an alten Steinmauern und kleinen Lichtungen. Zwischendurch liegen Eidechsen auf den warmen Steinen und die Kinder sammeln Kastanienschalen, die offenbar unbedingt mit nach Hause müssen.
Das Dorf Brè selbst ist klein und wunderbar verwinkelt. Zwischen den alten Häusern verlaufen schmale Gassen, an den Fassaden finden sich Kunstwerke und dazwischen liegen ein paar Restaurants.
Wir haben für diesen Vormittag bewusst nichts weiter geplant und lassen uns einfach treiben.
Zurück geht es wieder mit der Standseilbahn, diesmal hinunter bis zum See. Dort wartet natürlich noch ein Gelato und ein kleiner Spaziergang am Ufer.
Mit dem Schiff nach Gandria
Am nächsten Tag tauschen wir die Standseilbahn gegen ein Kursschiff. Die Fahrt nach Gandria gehört für uns zu den schönsten Unternehmungen dieser Tage. Das Schiff gleitet ruhig durchs Wasser. Je weiter wir fahren, desto schmaler wird der See. Die Hänge werden steiler und irgendwann tauchen pastellfarbene Häuser auf.
Nach rund 30 Minuten legt das Schiff in Gandria an, je nach Kurs dauert es auch etwas länger. Das kleine Dorf liegt direkt am Felsen und wirkt ein bisschen so, als hätte jemand die Häuser einfach an den Hang geklebt. Enge Gassen, Treppen, Wäscheleinen, schlafende Katzen und kleine Werkstätten machen den Ort zu einem perfekten Ziel, um einfach ohne große Planung loszulaufen.
Wir schlendern durch die Gassen und landen schließlich in der Bottega direkt an der Anlegestelle. Mit Blick aufs Wasser gibt es Kuchen und eine kleine Pause, bevor wir weiterziehen.
Eigentlich wollten wir am Nachmittag noch auf die andere Seeseite, zu den alten Kellern und ins Zollmuseum in Cantine di Gandria. Daraus wurde allerdings nichts, denn als wir wieder am Steg ankamen, war unser Schiff bereits weg und die nächste Verbindung passte nicht mehr in unseren Zeitplan.
Unser wichtigster Gandria-Tipp für Familien lautet deshalb: Fotografiert den Fahrplan am Steg, bevor ihr losgeht. Die Schiffe fahren zuverlässig, aber nicht besonders häufig.
Lugano mit Kindern: Altstadt, Park und ganz viel Gelato
Für Lugano selbst nehmen wir uns einen Tag Zeit und versuchen gar nicht erst, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit unterzubringen. Wir starten in der Altstadt und schlendern durch die Gassen und unter den Arkaden entlang. Dazwischen gibt es Marktstände, kleine Geschäfte und natürlich immer wieder die Gelegenheit für einen Espresso oder ein Gelato.
Danach gehen wir weiter in den Parco Ciani. Während die Kinder mit einer Kugel Pistazieneis auf dem Spielplatz verschwinden, suchen wir uns ein schattiges Plätzchen unter den alten Bäumen und schauen auf das glitzernde Wasser.
Später laufen wir noch am Lido vorbei und bleiben kurz beim Sprungturm stehen. Eigentlich wäre das der perfekte nächste Programmpunkt gewesen. Wir beschließen allerdings, ihn auf den nächsten Besuch zu verschieben. Denn irgendwann sind die Beine müde.
Statt unseren Tag in die Länge zu zerren, fahren wir zurück nach Albonago. Die Kinder springen direkt wieder in den Pool, wir spielen eine Runde Tischtennis und am Abend färbt sich der See langsam rosa.
Ist die Schweiz wirklich so teuer?
Die kurze Antwort lautet: Ja, die Schweiz ist teurer als die umliegenden Länder. Ein Mittagessen für die ganze Familie liegt hier schnell im dreistelligen Bereich. Das lässt sich auch mit einem Reisebericht nicht schönrechnen.
Was sich allerdings beeinflussen lässt, sind so einige Ausgaben.
Für uns war die Ferienwohnung mit eigener Küche deshalb ein wichtiger Punkt. Frühstück selbst machen, mittags ein Picknick einpacken und abends entweder kochen oder spontan in der Osteria essen, gibt deutlich mehr Flexibilität als ein klassisches Hotel mit Halbpension.
Beim Einkaufen lohnt es sich, einmal einen größeren Einkauf im Tal zu machen. Die Supermärkte in Lugano sind deutlich günstiger als die kleinen Shops und Kioske direkt an den Ausflugszielen. Einmal richtig einkaufen, mit dem Bus nach oben fahren und für die nächsten Tage ist alles da.
Ein weiterer großer Vorteil ist das Ticino Ticket. Damit sind Bus und Bahn im gesamten Kanton kostenlos. Zusätzlich gibt es Vergünstigungen von rund 20 bis 30 Prozent auf verschiedene Bergbahnen, Schifffahrten und Museen.
Und auch bei der Anreise lässt sich mit der Swiss Family Card für Kinder einiges sparen.
Unterm Strich lagen unsere Urlaubstage deshalb deutlich unter dem Preis, den wir für einen vergleichbaren Familienurlaub in einem Schweizer Familienhotel erwartet hätten.
Unsere 5 Tipps für das Tessin mit Kindern
1. Reserviert Sitzplätze im Familienbereich.
Gerade auf der langen Anreise macht es einen Unterschied, wenn jeder seinen festen Platz hat und die Kinder zwischendurch auch einen Bereich zum Spielen haben.
2. Bestellt die Swiss Family Card direkt mit dem Ticket.
Sie wird nicht automatisch ausgestellt und kann für Familien ordentlich Geld sparen.
3. Plant Höhe und Wasser an unterschiedlichen Tageszeiten.
Vormittags ist es auf dem Berg angenehm ruhig und kühl, später am Tag sind Pool und See genau das Richtige.
4. Nutzt die Kinderbetreuung im Reka-Feriendorf.
Das Rekalino-Programm findet werktags statt und ist im Aufenthalt inklusive.
5. Nehmt eine Trinkflasche mit.
In Lugano gibt es zahlreiche Brunnen mit Trinkwasser. Das spart unterwegs Geld und unnötige Plastikflaschen.
Palmen am Morgen, Isar am Abend
Am letzten Morgen gehen wir noch einmal zum Pool. Dann heißt es Koffer packen, Bus fahren, einsteigen und zurück Richtung Norden. Sechs Stunden später stehen wir wieder am Münchner Hauptbahnhof. In der Jackentasche steckt eine Kastanie aus Brè und im Kopf die Erkenntnis, dass der Süden manchmal viel näher liegt, als man denkt.
Was uns von diesen Tagen bleibt, sind deshalb gar nicht unbedingt die großen Sehenswürdigkeiten. Es sind die kleinen Momente dazwischen: die erste Palme am Zugfenster, das Gelato nach der Standseilbahn, die Kinder vorne am Bug des Schiffes, der Kastanienweg nach Brè und die Abende am Pool und der Pergola im Reka-Feriendorf. Genau dafür mögen wir das Tessin richtig gerne!
Häufige Fragen zum Familienurlaub im Tessin
Wann ist die beste Reisezeit für das Tessin mit Kindern?
Für einen Familienurlaub eignen sich die Monate von Mai bis Anfang Oktober besonders gut. Im Hochsommer kann es im Tessin sehr heiß werden, weshalb ein Pool oder der See in der Nähe dann definitiv ein Pluspunkt ist. Einen weiteren gibt es für die Klimaanlage in den Apartments von Reka. Für Wanderungen und längere Ausflüge finden wir Mai, Juni und September besonders angenehm. Außerhalb der Schulferien sind außerdem häufig die Preise niedriger.
Lohnt sich Lugano auch für ein langes Wochenende?
Auf jeden Fall. Für drei Tage würden wir uns auf drei Dinge konzentrieren: einen Ausflug auf den Monte Brè, eine Schifffahrt und einen Tag in Lugano. Wenn zusätzlich Swissminiatur, das Museo in Erba oder längere Wanderungen auf dem Programm stehen, würden wir eher eine ganze Woche einplanen. Alle Ziele im Detail findet ihr in unseren Ausflugstipps rund um Lugano.
Wie teuer ist ein Familienurlaub im Tessin?
Essen gehen und Freizeitaktivitäten sind in der Schweiz spürbar teurer als in Deutschland oder Italien. Mit einer Ferienwohnung mit Küche, einem Einkauf im Supermarkt und dem konsequenten Nutzen des Ticino Tickets lässt sich das Budget allerdings gut im Rahmen halten. Bei unserer Reise lagen die Gesamtkosten dadurch deutlich niedriger, als wir zunächst erwartet hatten. Eine Woche zu viert im Reka-Feriendorf Lugano-Albonago gibt es bereits ab 1.089 Franken (Stand: August 2026).
Kann man mit Kindern ohne Auto durch das Tessin reisen?
Ja, sehr gut sogar. Die Schweiz ist für uns das Vorzeigeland, wenn es um autofreie Reisen geht. Züge, Busse und Schiffe verbinden Lugano mit vielen wichtigen Ausflugszielen. Mit dem Ticino Ticket sind Bus und Bahn im gesamten Kanton kostenlos. Wir waren die ganzen Tage ohne Auto unterwegs und haben es tatsächlich kein einziges Mal vermisst.
Fahren Kinder in der Schweiz kostenlos mit der Bahn?
Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos. Für Kinder ab sechs und unter 16 Jahren gibt es die kostenlose Swiss Family Card, wenn sie von einem Elternteil mit gültigem Swiss Travel Pass, Swiss Travel Pass Flex oder einer Swiss Half Fare Card begleitet werden. Am besten bestellt ihr die Karte direkt beim Ticketkauf mit.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Reka und Schweiz Tourismus. Unsere Einschätzung bleibt unsere eigene.





















