Ohne Regen kein Regenbogen: Macht das Beste draus!
Es gibt diese Tage, wenn die Wolken so tief hängen, dass man in Schladming selbst das Dachsteinmassiv einfach nicht mehr sehen kann. Die Kinder schauen aus dem Fenster, wir aufs Regenradar, und irgendjemand sagt den Satz, den alle denken: Und jetzt? Die gute Nachricht: Schlechtwetter in Schladming-Dachstein ist kein verlorener Urlaubstag. Die Region hat eine erstaunliche Dichte an Orten, die bei Regen erst richtig gut werden. Manche öffnen sogar ausschließlich dann.
Hier kommen unsere 9 Ideen, von der jahrhundertealten Lodenwalke bis zur Klamm, in der man sowieso nass wird.
1. Der Kletterpark, der nur bei Regen öffnet
Unser Lieblingskuriosum der Region: Der Erlebniskletterpark im Naturpark Sölktäler hat ausschließlich an Schlechtwettertagen geöffnet. Während anderswo die Rollläden runtergehen, sperrt hier jemand auf. Drinnen warten 40 Stationen, eine sieben Meter hohe Kletterwand, eine Riesenrutsche, zwei Trampoline, eine Slackline und Heuspringen, also genau die Mischung, bei der Kinder abends müde und glücklich ins Bett fallen. Kletterschuhe gibt es vor Ort in den Größen 31 bis 47 zu leihen, mit der Sommercard ist der Eintritt ermäßigt.
Die Anfahrt von Schladming dauert rund 40 Minuten durch die Sölktäler, was sich schon als Ausflug lohnt. Wichtig: Auch wenn es in Strömen regnet, vorher kurz anrufen und die Öffnung bestätigen lassen. Ein Ort, der sich über schlechtes Wetter freut, darf sich ein bisschen Eigensinn erlauben.
Ort: Naturpark Sölktäler | Anfahrt: ca. 40 Min. von Schladming | Geöffnet: nur an Schlechtwettertagen, vorab anrufen | Leihschuhe: Gr. 31 bis 47 | Sommercard: ermäßigt | Alter: ab Kindergartenalter
2. Steiner1888 Wollwelt in Mandling
Loden ist in dieser Region mehr als ein Souvenir, Loden ist teil der Identität. In der Wollwelt von Steiner1888 in Mandling erleben Kinder mit allen Sinnen, wie aus Rohwolle Stoff wird: mit Fühlstationen, kurzen Filmen und einem Blick auf die alte Hammerwalke, auf der der Schladminger Loden wie vor 130 Jahren produziert wird. Führungen finden laut aktuellem Indoor-Wochenprogramm der Region dienstags um 10 und 15 Uhr statt, mit der Sommercard ermäßigt.
Was uns daran gefällt: Es ist gelebte Nachhaltigkeit statt Museumsvitrine. Kinder begreifen hier im Wortsinn, warum ein Wollpullover eine Geschichte hat. Und der Shop am Ende ist eine echte Versuchung, wir sagen es lieber gleich.
Ort: Mandling | Anfahrt: ca. 15 Min. von Schladming | Führungen: dienstags 10 und 15 Uhr (aktuelle Saison prüfen) | Kontakt: +43 6454 7203 276 | Sommercard: ermäßigt | Dauer: ca. 1 Std.
3. Lodenwalke Ramsau, seit 1434
Die zweite Lodenadresse der Region ist die ältere: Die Lodenwalke in Ramsau am Dachstein produziert seit 1434, und zwar bis heute auf den uralten Maschinen von früher. Die Begründung der Walker ist herrlich unaufgeregt: Es gibt schlicht keine besseren. Der Rundgang ist kostenlos, geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr, und gleich nebenan liegt eine gemütliche Gaststube mit Ramsauer Spezialitäten.
Wollwelt oder Lodenwalke? Ehrlich gesagt: beides. Die Wollwelt ist das multimediale Erlebnis, die Lodenwalke das lebende Denkmal. Wer nur Zeit für eines hat, nimmt mit jüngeren Kindern die Wollwelt, mit Geschichtsfans die Walke.
Ort: Ramsau am Dachstein (Rössing) | Geöffnet: täglich 9 bis 17 Uhr | Rundgang: kostenlos | Kontakt: +43 3687 81930 | Extra: Gaststube mit Ramsauer Spezialitäten nebenan
4. Nickelmuseum Hopfriesen und Schmelzofenrunde
Rund 1.500 Knappen schürften zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Schladminger Bergen nach Silber, Nickel und Kupfer. Diese Geschichte lässt sich im hinteren Obertal erwandern: Der Schmelzofen in der Hopfriesen von 1840 ist die letzte erhaltene Schmelzanlage für Nicht-Eisen-Metalle im gesamten Ostalpenraum, und im modern gestalteten Nickelmuseum führt die Nickel-Elfe Kinder durch die Ausstellung und regt zu eigenen Entdeckungen an.
Die kinderwagentaugliche Schmelzofenrunde ab der Wehrhofalm dauert etwa 75 Minuten und funktioniert auch bei Nieselregen wunderbar, Matschhose vorausgesetzt. Frisch gewaschener Wald, dampfende Bäche und eine Geschichte über gefährliche Knappenarbeit: Das ist Regenwetter, wie wir es mögen.
Ort: Hopfriesen, Obertal (Rohrmoos) | Rundweg: ca. 75 Min. ab Wehrhofalm, kinderwagentauglich | Parken: Wehrhofalm oder Holdalm, unbewirtschaftet | Info: +43 3687 22777 22 | Ausrüstung: Regenjacke und Matschhose
5. Backen, Basteln, Schminken: Kindernachmittag auf der Waldhäuslalm
Manchmal sind die besten Regenprogramme die kleinsten. Auf der Waldhäuslalm im Untertal, einem familiengeführten Ausflugsgasthaus am Themenweg Wilde Wasser, steigt in der Sommersaison jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr ein Kinderfest: An wechselnden Stationen wird gebacken, gebastelt, gemalt und geschminkt, oft schaut sogar ein Clown vorbei. Eine Anmeldung ist nicht nötig, mit der Sommercard ist die Teilnahme inkludiert, und selbst die Anfahrt mit der Buslinie 974 bis zur Haltestelle Waldhäuslalm ist in der Karte enthalten.
Das Fest lebt vom Almgelände, aber Gaststube und Wintergarten bieten Platz, wenn es schüttet, und Backen funktioniert bekanntlich drinnen am besten. An echten Regentagen kurz anrufen und nachfragen, ob das Programm läuft. Unser Zusatz-Tipp: Das Kinder-Wochenprogramm der Region enthält saisonal wechselnde Back- und Werkangebote, ein Blick in das aktuelle Programm beim Tourismusverband lohnt sich immer.
Ort: Waldhäuslalm, Untertal (Rohrmoos) | Termin: dienstags 15 bis 17 Uhr, Sommersaison ca. Juni bis Anfang September | Anmeldung: nicht nötig | Sommercard: Teilnahme inkludiert, sonst kleiner Unkostenbeitrag | Anfahrt: Bus 974 bis Waldhäuslalm (Sommercard) oder Auto, Parken für Gäste mautfrei | Kontakt: +43 3687 61592



6. Holzwerkstatt am Fastenberg
Bohren, hämmern, sägen, so viel man kann: In der Holzwerkstatt am Fastenberg zimmern Kinder und Erwachsene unter fachkundiger Anleitung kleine Kunstwerke, vom Auto über Würfel bis zu Figuren und abstrakten Bauwerken. Der Fantasie sind dabei ausdrücklich keine Grenzen gesetzt.
Wir mögen an diesem Programmpunkt, dass am Ende etwas in der Hand bleibt. Ein selbst gesägtes Holzauto erzählt noch Jahre später vom Regentag in Schladming, während der zehnte Kinobesuch längst vergessen ist. Termine laufen über das regionale Wochenprogramm, am besten kurz beim Tourismusverband oder der Unterkunft nachfragen.
Ort: Fastenberg, Schladming | Termine: über das regionale Wochenprogramm, beim TVB oder der Unterkunft erfragen | Für: Kinder und Erwachsene | Mitnehmen: nichts, Werkzeug und Holz vor Ort
7. Dachsteinbad Ramsau mit Aquatrack
Wenn schon nass, dann richtig. Das Dachsteinbad in Ramsau ist die kleinere, feinere Alternative zu den großen Thermen der Umgebung, und es hat ein Ass im Ärmel: Nachmittags öffnet der Aquatrack, ein schwimmender Hindernisparcours, über den sich Kinder stundenlang balancieren, stürzen und wieder hochziehen. Mit der Sommercard ist das Vergnügen inkludiert.
Die Öffnungszeiten sind saisonal in Vormittags- und Nachmittagsblöcke geteilt, ein kurzer Blick auf die Website vor der Abfahrt lohnt sich also.
Ort: Ramsau am Dachstein | Aquatrack: nachmittags | Sommercard: inkludiert | Öffnungszeiten: saisonal geteilt (vormittags/nachmittags), vorab prüfen | Anfahrt: ca. 15 Min. von Schladming

8. Erlebnisbad Schladming
Der Klassiker liegt direkt im Ort am Europaplatz: 380 Quadratmeter Wasserfläche, drei 25-Meter-Bahnen, eine 66 Meter lange Rutsche, Schwallduschen, Strömungskanal und ein Kleinkindbereich mit Minirutsche und Sprudelwasser. Geöffnet ist das Erlebnisbad Schladming täglich von 9 bis 20 Uhr, das Bistro versorgt hungrige Schwimmer bis in den Abend.
Praktisch für Familien ohne Auto: Das Bad liegt zentral in Gehweite zur Planai-Talstation, mit der Sommercard fahren Busse in der Region ohnehin kostenlos. Für einen halben Regentag mit kleineren Kindern ist das unsere unkomplizierteste Empfehlung.
Ort: Europaplatz, Schladming | Geöffnet: täglich 9 bis 20 Uhr, Kassa bis 19:15 Uhr | Preise: Tageskarte ca. 21,90 € Erwachsene, 12,80 € Kinder, auch 2- bis 4-Stunden-Tarife | Kontakt: +43 3687 23271 | Extra: Bistro täglich 10 bis 19 Uhr
9. Klammwandern im Regen: Talbachklamm und Silberkarklamm
Unser liebster Gegenentwurf zum Indoor-Programm: In einer Klamm wird man von der Gischt der Wasserfälle ohnehin nass, ein bisschen Regen von oben ändert also erstaunlich wenig. Die Talbachklamm beginnt direkt am Schladminger Ortsrand und lässt sich als kurze Tour mit Kindern gehen, die Silberkarklamm in Ramsau legt mit Steiganlagen und tosendem Wasser noch eine Portion Abenteuer drauf.
Mit Gummistiefeln, Matschhose und der richtigen Einstellung wird aus dem Regentag der Tag, von dem die Kinder zu Hause zuerst erzählen. Eine Einschränkung nehmen wir ernst: Bei Starkregen oder Gewitter gehört niemand in eine Klamm. Dieser Tipp ist für den klassischen grauen Landregen gedacht, nicht für Unwetterlagen.
Orte: Talbachklamm ab Schladming Ortsrand, Silberkarklamm in Ramsau | Ausrüstung: Gummistiefel oder feste Schuhe, Matschhose, Wechselkleidung im Auto | Wichtig: nur bei Landregen, nie bei Starkregen oder Gewitter | Dauer: je ca. 1 bis 2 Std.
Regen ist in Schladming-Dachstein keine Ausrede
Was uns an dieser Region beeindruckt: Schlechtwetter wird hier nicht weggelächelt, sondern bespielt. Ein Kletterpark, der nur bei Regen öffnet, ein Schaustollen, der mittwochs Knappengeschichten erzählt. Wer die Sommercard der Unterkunft nutzt, hat viele dieser Erlebnisse inklusive oder ermäßigt, samt kostenloser Busfahrten zwischen den Orten.
Unser Rat für den Koffer: Gummistiefel und Matschhosen einpacken, dann verliert das Regenradar seinen Schrecken. Und falls die Sonne doch früher zurückkommt als gedacht, findet ihr in unseren Beiträgen zum Familienurlaub in Schladming und den Top 10 Ausflugszielen in Schladming jede Menge Ideen für den Rest der Woche.



