Savoie und Haute-Savoie mit Kindern: Zwischen Bergseen, Murmeltieren und dem Mont Blanc
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Wir trauen uns jetzt einfach mal zu behaupten, dass ihr die Französischen Alpen als Urlaubsziel genauso wenig auf dem Plan hattet wie wir vor dieser Reise. Klar, Mont Blanc und Genfersee kennt man. Aber dass man hier zwischen Italien und der Schweiz mittags Fondue auf der Hütte isst, Kühen beim Weiden zusieht, deren Milch später zu Beaufort wird, und es zwischen türkisblauen Bergseen, alten Steindörfern und jeder Menge Berggeschichten so viel zu entdecken gibt, hat uns dann doch ziemlich überrascht.
Bei dieser Reise durch die Französischen Alpen haben wir wirklich einiges mitgenommen: von der Blockhütte mit Trockentoilette über Kajakfahren auf dem Bergsee und Murmeltiere im Nationalpark bis hin zu einer Via Ferrata. Zum Schluss ging es noch einmal hoch hinaus, mit einer Wanderung am Mont Blanc und anschließendem Abstecher in eines der schönsten Naturfreibäder der Region.
Und das alles liegt erstaunlich nah beieinander: Gerade einmal rund 230 Kilometer Fahrstrecke liegen zwischen den einzelnen Stationen. Genau das macht für uns den Reiz dieser Region aus. Kaum habt ihr euch an ein Landschaftsbild gewöhnt, sieht es hinter der nächsten Kurve schon wieder ganz anders aus.
Hier kommen unsere Lieblingsplätze in den Französischen Alpen, mit allen Tipps und Infos zum Nachlesen.
Camping Le Chenantier: eine Blockhütte am Rand des Nationalparks
Unser erstes Zuhause auf Zeit stand auf 1.250 Metern in Val Cenis in der Savoie. Ein Ort für alle, die Natur nicht nur anschauen, sondern mittendrin schlafen möchten. Wir haben in einer selbst gebauten Blockhütte mit Trockentoilette und Wollbettwäsche übernachtet. Ecolodges nennt Florent, der den Campingplatz führt, diese Art von Urlaub.
Und tatsächlich geht es hier zurück zu den Basics: ein Holzofen, eine einfache Hütte, eine Trockentoilette und sehr viel Natur vor der Tür. Florent hat die Hütten übrigens selbst gebaut. Weil jeder Stamm anders liegt, gleicht keine der anderen.
Wer hier übernachtet, bucht automatisch die Halbpension mit. Abends sitzen alle Gäste an einem gedeckten Tisch, während in der Mitte an kälteren Abenden der Kamin knistert. Auf den Tisch kommt Selbstgemachtes aus der Region: Polenta, Würstchen, Salat und immer eine Nachspeise, für die man sich besser noch ein kleines bisschen Platz im Bauch aufhebt. Das Essen ist eher herzhaft und deftig, aber so, dass auch die Kids gerne mitessen.
Natürlich findet hier auch jedes Wohnmobil seinen Platz. Wer morgens frische Brötchen möchte, kann den Brötchenservice nutzen und bekommt warme Pain au Chocolat direkt aus der Dorfbäckerei.
Alles zu diesem Platz steht im Camping-Beitrag.
Über der Baumgrenze: Murmeltiere und ein Pfiff-Code
Am nächsten Morgen ging es hinauf zum Parkplatz Bellecombe im Nationalpark Vanoise, nur wenige Fahrminuten vom Camping Le Chenantier entfernt.
Ein brauchbares Murmeltierfoto haben wir zwar nicht mitgebracht, dafür aber so einiges über das Leben über der Baumgrenze gelernt. Hier lassen sich die Tiere hervorragend beobachten, allen voran die Murmeltiere mit ihrem eigenen Pfiff-Code: Ein Pfiff bedeutet Gefahr aus der Luft, zwei Pfiffe Gefahr am Boden.
Nach einem Zwischenstopp an einem der kleinen Bergseen sind wir mittags auf der Hütte Bellecombe eingekehrt. Hier wird noch nach Großmutters Rezepten am Holzofen gekocht. Rundherum spielt sich das Almleben ab, und wer diese Bergidylle nicht nur für ein Mittagessen genießen möchte, kann sogar direkt vor Ort übernachten. Die Betreiber führen den Platz bereits in dritter Generation.
Mehr Infos zum Nationalpark, zu den Wandertouren und zur Einkehr findet ihr im Beitrag über den Nationalpark Vanoise mit Kindern.
Aussois: durch die Schießscharte in die Festung
Am nächsten Tag stand eigentlich Kultur auf dem Programm. Ganz ruhig und gemächlich, so dachten wir zumindest. Geworden ist daraus einer der Höhepunkte der ganzen Reise: ein Spionagespiel zwischen fünf Festungen, in denen tatsächlich nie ein Schuss fiel, und eine Via Ferrata, die mitten durch eine Schießscharte in der Festungsmauer beginnt.
Geführt hat uns Jonathan vom Bergführerbüro. Mit einer Ruhe, die sich sofort auf die Kinder übertragen hat, ging es hinein in die Festungswelt und anschließend direkt an die Felswand.
Alles dazu, samt der Altersempfehlungen für die einzelnen Routen, steht im Beitrag zur Via Ferrata an den Forts de l’Esseillon.
Lac du Mont-Cenis und Bonneval-sur-Arc: der Pass
Zwei ruhigere Tage führten uns weiter talaufwärts. Am Lac du Mont-Cenis haben wir auf 2.000 Metern gepaddelt, einen Alpengarten durchstreift und danach so lange im Gîte le Toët gesessen, dass aus dem Mittagessen fast der ganze Nachmittag wurde.
Genau solche Tage gehören für uns zu einem gelungenen Roadtrip dazu: nicht ständig weiter, weiter, weiter, sondern auch einmal sitzen bleiben, schauen und den Berg vor der Nase einfach Berg sein lassen.
In Bonneval-sur-Arc hat uns dann die Stille überrascht. Ein Dorf aus Bruchstein und Lauzendächern, in dem kein einziges Kabel über den Gassen hängt und das als einziges Dorf der Savoie zum Verband der schönsten Dörfer Frankreichs gehört.
Ein Wasserfall wie im Dschungel
Auf dem Weg von der Savoie in die Haute-Savoie haben wir einen Zwischenstopp eingelegt, den wir eher beiläufig geplant hatten. Bei der Grotte et Cascade de Seythenex hört man das Wasser schon vom Parkplatz aus in die Tiefe stürzen, lange bevor man es sieht.
Dann wird es ziemlich spektakulär: eine Höhle, die einzige öffentlich zugängliche der Haute-Savoie, ein 40 Meter hoher Wasserfall zum Rauf- und Runtersteigen und zwei Ziplines mittendrin.
Aus dem kleinen Zwischenstopp wurde damit einer der Programmpunkte, an die sich unsere Kinder am längsten erinnert haben. Manchmal sind es eben die Orte, die man eher nebenbei einplant, die am Ende besonders hängen bleiben.
Champ Tillet, Doussard und die Holzhütten von Marlens
Kurz bei einem Familienbetrieb vorbeigeschaut haben wir in Champ Tillet, der seit über vierzig Jahren in derselben Hand liegt. Länger geblieben sind wir am Lac d’Annecy selbst, an der Plage de Doussard.
Der Strand gehört zu den wenigen am See, die nicht zwischen Uferstraße und Promenade eingeklemmt liegen. Direkt daneben beginnt ein Naturschutzgebiet mit Holzstegen, und ganz in der Nähe liegt der Family Park samt den Holzhütten des Festival des Cabanes.
Die Hütten werden jedes Jahr neu von internationalen Architekturteams gebaut und machen aus einem Spaziergang am See ganz nebenbei eine kleine Architekturreise.
La Colombière: Komfort vor Genf
Unser drittes und letztes Zuhause auf Zeit stand in Neydens, ausgezeichnet mit Ecolabel Européen, Clef Verte, Qualité Tourisme und Accueil Vélo. Dazu gab es ein Mobilheim mit zwei Bädern und damit deutlich mehr Komfort als zu Beginn unserer Reise.
Ehrlich gesagt ist der Funke bei uns hier am wenigsten übergesprungen. Was aber nichts über die Qualitäten des Platzes sagt: Wer mit Kindern unterwegs ist und zwischendurch Pool, Komfort und ein gut ausgestattetes Umfeld sucht, findet hier genau das.
Alle drei Campingplätze stehen ausführlich im Camping-Beitrag.
Le Salève: ein Riese, Frankenstein und fünf Minuten Seilbahn
Von dort aus war der Salève nur einen Katzensprung entfernt. Der Hausberg von Genf liegt nämlich eigentlich schon in Frankreich.
Unten standen wir noch im Verkehr am Stadtrand, vier Minuten später lag der ganze Genfersee unter uns. Oben wartete ein Naturspielplatz, der wenige Wochen vor unserem Besuch eingeweiht worden war.
Ein ziemlich schöner Wechsel für einen einzigen Vormittag: Stadtverkehr unten, Bergluft oben.
Bernex: ein kompletter Familientag
Der ausgeglichenste Tag der ganzen Reise war Bernex über dem Genfersee.
Vormittags schoben wir noch einen Kinderwagen über einen breiten, flachen Bergweg, nachmittags saß das größere Kind schon im Gummireifen und rauschte mit Karacho denselben Hang hinunter. Und das alles an genau der Talstation, an der wir morgens losgegangen waren.
Ein Tag, der ziemlich gut zeigt, warum wir Familienreisen in den Bergen so mögen: Jeder kann sein eigenes Tempo finden und am Ende treffen sich doch alle wieder am selben Ort.
Das Finale: einem Gletscher so nah wie sonst nur mit Eispickel
Zum Schluss kam der Berg, über den auf dieser Reise am meisten geredet wurde.
Mit dem Tramway du Mont-Blanc sind wir nicht ganz bis zum Gletscher gefahren, sondern eine Station früher ausgestiegen und von dort aus mit Blick auf den Mont Blanc gewandert.
Am Ende wartete eine Einkehr mit einem der schönsten Ausblicke, die wir je hatten, und Blaubeertörtchen mit Blaubeeren aus den Bergen. Viel mehr Mont-Blanc-Finale geht eigentlich nicht.
Wer den Berg danach noch einmal in voller Größe sehen möchte, fährt zum Naturbadesee nach Combloux, wo sich der Mont Blanc komplett im Wasser spiegelt.
Bevor ihr eure eigene Route plant
Ein Basislager oder mehrere? Wir haben uns für drei entschieden und von dort aus Tagesausflüge gemacht, statt jeden einzelnen Ort separat anzufahren. Das bedeutete dreimal Koffer auspacken statt zehnmal, allerdings auch, dass wir für manche Ausflüge, wie den zum Nationalpark Vanoise, früh losfahren mussten. Wer es ruhiger mag, kommt genauso gut mit zwei Stationen aus und nimmt dafür einzelne Tage etwas mehr Fahrzeit in Kauf.
Wie viele Tage solltet ihr einplanen? Zehn Tage bis zwei Wochen finden wir für diese Tour genau richtig, um die stille Savoie und die dichter gepackte Haute-Savoie beide in Ruhe zu erleben. Wer weniger Zeit hat, entscheidet sich besser für eine der beiden Regionen.
Wann ist die beste Reisezeit? Wir waren im Hochsommer unterwegs, mit warmen Tagen im Tal und überraschend kühlen Höhen, etwa am Lac du Mont-Cenis oder in der Grotte von Seythenex. Der Spätsommer dürfte insgesamt ruhiger sein, dafür schließen dann schon die ersten Sommeraktivitäten wie in Bernex.
Am letzten Abend haben wir versucht, uns auf einen einzigen Lieblingsort zu einigen, und sind kläglich gescheitert. Die Kinder waren für die Sommerrodelbahn in Bernex, wir für die Alm auf 2.350 Metern im Nationalpark. Geeinigt haben wir uns nur auf eines: Wir kommen wieder. Und dann nehmen wir uns für die stille Seite ein bisschen mehr Zeit.
Weitere Campingplätze in der Region Auvergne-Rhône-Alpes findet ihr auf www.camping-rhonealpes.com.
Wir waren als Gäste von Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme unterwegs. Was wir euch hier erzählen, haben wir mit unseren Kindern selbst erlebt, und unsere Meinung bleibt wie immer unsere eigene.































