Heilige Tore, coole Cafés und drei Tagesausflüge, die Eltern und Kids gefallen
Wenn uns jemand fragt, welche Stadt in Japan wir Familien ans Herz legen würden, fällt der Name ohne Zögern: Kyoto. Nach der Reizdichte von Tokio und der Stille am Meer wurde die alte Kaiserstadt für uns die perfekte Familienbasis. Ruhig genug für langsame Morgen, spannend genug für große Kinderaugen, und mit Tagesausflügen vor der Haustür, die ganz unterschiedliche Seiten Japans zeigen. Hier kommt, wie wir Kyoto mit Kindern wirklich erlebt haben: wo wir gefrühstückt haben, welche Tempel sich gelohnt haben und welche Ausflüge wir sofort wieder machen würden.
Zwei Dinge wollen wir gleich vorausschicken, weil sie den Unterschied zwischen einem entspannten und einem anstrengenden Tag machen. Kyoto ist an vielen Stellen touristisch sehr überlaufen, gerade an den Tempeln schieben sich tagsüber die Menschenmassen. Nach unserem ersten Gedrängel haben wir die Sehenswürdigkeiten konsequent in die Randstunden verlegt, früh am Morgen oder am Abend nach dem Essen, und plötzlich war die Stadt eine andere. Und: Mit Kinderwagen seid ihr an vielen Sehenswürdigkeiten eher aufgeschmissen. Tragehilfe oder gute Schuhe für die Kinder schlagen hier jeden Buggy.
Warum Kyoto als Familienbasis super funktioniert
Kyoto ist tausend Jahre alte Hauptstadt, voller Samuraigeschichten und beeindruckender Bauwerke, und trotzdem lässt sie sich erstaunlich ruhig bereisen. Die Stadt ist kompakter als Tokio, vieles geht zu Fuß oder mit kurzen Bahnfahrten, und am Stadtrand beginnt schnell die Natur. Genau diese Mischung macht sie zur idealen Basis für mehrere Tage mit Kindern.
Wir haben Kyoto als festen Standort genutzt und von hier aus alle Ausflüge unternommen. Das nimmt den Stress des ständigen Kofferpackens und gibt den Kindern jeden Abend eine vertraute Rückkehr. Dazu kommt etwas, das wir vorher unterschätzt hatten: Kyoto hat eine wunderschöne Cafészene, manche Cafés sogar mit eigenem Zen-Garten.
Frühstücken in Kyoto mit Kindern
Als Caféliebhaber haben wir uns jeden Morgen einen neuen Frühstücksplatz ausgesucht, und allein das wurde zu einem kleinen Reiseritual. Unsere Favoriten waren kleine Bäckerei-Cafés und Spezialitäten-Röstereien, die früh öffnen und gelassen mit Familien umgehen. Besonders ans Herz legen wir euch dabei die japanischen Eierspeisen. Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Ein echtes japanisches Frühstück sähe anders aus, nämlich eher nach Reis, Misosuppe und Fisch als Croissant und Rührei.
Wer eine warme, klassische Bäckerei mit richtigem Frühstück sucht, ist bei Shinshindo richtig, einer Kyotoer Institution seit 1913 und der ersten Adresse, die in Japan französisches Brot gebacken hat. Für ein ruhigeres, ästhetisches Erlebnis lohnt sich das Kissa Kishin. Unser Tipp gilt überall gleich: früh hingehen, dann gehören euch die schönen Plätze, bevor die Stadt wach wird.
Tempelbesuche mit Timing
Kyoto hat über tausend Tempel, und der Fehler vieler Familien ist, zu viele davon an einem Tag sehen zu wollen. Wir haben uns bewusst auf wenige konzentriert und die Tageszeiten so gewählt, dass die Massen entweder noch nicht da oder schon wieder weg waren. Das hat sich als die bewährteste Technik der ganzen Reise herausgestellt.
Das Highlight für die Kinder war Fushimi Inari mit seinen tausenden leuchtend roten Toren, die sich einen ganzen Berg hinaufziehen. Der Eintritt ist frei, die Anlage rund um die Uhr geöffnet, und ihr müsst keineswegs bis ganz nach oben. Wer den kompletten Rundweg auf den 233 Meter hohen Inari-Berg geht, sollte mit Kindern gute zwei Stunden einplanen, abkürzen lässt sich unterwegs aber jederzeit. Das Schöne: Je höher man steigt, desto leerer wird es, und der Blick am oberen Aussichtspunkt ist die Mühe wert.
Kōdai-ji hat uns von allen Tempeln am meisten überrascht. Hier zahlt man Eintritt, ein paar Euro pro Person (die Kinder sind gratis) und wahrscheinlich ist hier deshalb deutlich weniger los. Der gepflegte Zen-Garten, die alten Tempelbauten und der kleine, aber dichte Bambushain stecken auf engem Raum zusammen, fast eine komprimierte Version von allem, was Kyoto schön macht. Der Hain ist kleiner als der berühmte in Arashiyama, dafür still und ohne Selfie-Gedränge. Gegründet wurde der Tempel übrigens 1606 von Nene, der Witwe des Feldherrn Toyotomi Hideyoshi, zum Gedenken an ihren Mann.
Zwei weitere haben wir mitgenommen, ohne sie euch dringend ans Herz zu legen. Ryōzen Kannon mit seiner riesigen weißen Kannon-Figur ist ganz schön für einen kurzen Besuch. Die Kinder bekommen am Eingang einen Räucherstab, den sie selbst anzünden dürfen. Und Sanjūsangen-dō mit seiner langen Halle voller goldener Statuen ist sehenswert, aus unserer Sicht aber kein Muss, wenn die Zeit knapp ist.
Essen mit Kindern: Sushi, Gyoza und kleine Glücksmomente
Kyoto ist die Heimat der feinen, oft fleischarmen Tempelküche. Wer mit Kindern und ohne viel Fleisch essen möchte, findet hier wunderbare Tofu-Restaurants mit Yudofu und die buddhistische Shojin-Ryori-Küche. Viele Lokale haben Tatami-Räume, in denen Kinder, gut aufgehoben sind.
Und was haben wir gut gegessen. Klar, Kyoto ist etwas teurer als der Rest des Landes, aber für Münchner Verhältnisse war es immer noch erstaunlich günstig. Auf dem Markt arbeitet man sich von kleinen Häppchen über Matcha bis zu Wagyu durch, alles zum Probieren. Wir stehen ja auf Gyoza, deshalb hat uns das Restaurant Motoi Gyoza besonders gefallen. Ein echter Höhepunkt war ein Michelin-Sushi im Higashiyama-Viertel, wo die Kinder bei jedem der vielen kleinen Gänge zusehen konnten, wie das Sushi vor ihren Augen entsteht.
Unser bester Tipp fürs Essen mit Kindern: Fragt immer nach einer Kinderportion. Die wird oft extra hübsch angerichtet und macht den Kleinen beim Probieren richtig Spaß.
Schlafen in Kyoto
Unsere ersten beiden Nächte haben wir im OMO5 Kyoto Gion verbracht. Die Lage direkt am Yasaka-Schrein ist großartig, das Hotel selbst liegt schön versteckt, die Zimmer sind allerdings nicht ganz so modern wie die der gleichen Kette in Tokyo.
Deshalb empfehlen wir euch eher unsere zweite Unterkunft, das Soyo-ne Kyoto Sanjo. Das sind großzügige Apartments in einem wirklich schönen Viertel, mit genug Platz für die ganze Familie. Das Haus ist zwar etwas unpersönlicher, da die Rezeption nur am Morgen besetzt ist, aber uns hat das nicht weiter gestört. Im Zimmer gibt es eine Kaffeemaschine sowie Schlafanzüge für alle. Das ist in Japan übrigens ziemlich normal.
Tagesausflug 1: Nara, die Rehe und ein ehrlicher Tipp
Nara ist nur eine kurze Bahnfahrt entfernt, knapp eine Stunde mit dem Zug entfernt und berühmt für seine frei laufenden Rehe. Wenn wir euch dazu eine Sache raten dürften: Füttert die Rehe nicht.
Sobald Futter im Spiel ist, sind die Tiere alles andere als niedlich. Sie hängen sich sofort an euch, zwicken und schubsen, bis nichts mehr da ist. Wir haben nur geschaut, und das war Aufregung genug. Beobachten statt füttern ist entspannter für alle und respektvoller den Tieren gegenüber, immerhin galten sie hier einmal als heilige Boten der Götter.
Für Nara würden wir einen halben Tag einplanen und wer kann, sollte möglichst früh da sein.
Tagesausflug 2: Universal Studios Osaka, ein Tag nur für die Kinder
In vielen Familien gehört ein Tag ganz den Kindern, und bei uns war das Universal Studios Osaka mit der Super Nintendo World. Von Kyoto aus ist Osaka in rund einer Stunde mit dem Zug erreichbar.
Hier läuft man direkt in ein Mario-Spiel hinein. Röhren, Münzblöcke zum Draufhauen, Bowsers Schloss im Hintergrund, dazu ein Armband, mit dem die Kinder Münzen sammeln und Aufgaben lösen. Wir dachten, wir finden so etwas albern, und standen dann selbst grinsend mit dabei. Nach der Kultur- und Naturdichte der Reise war dieser eine pure Spaßtag genau das, was die Kinder gebraucht haben.
Wichtig: Die Tickets für die Universal Studios solltet ihr unbedingt mehrere Wochen im Voraus buchen, da sie oft schnell vergriffen sind. Für die Super Nintendo World könnt ihr zusätzlich einen Fast Track Pass erwerben. Damit erhaltet ihr ein festes Zeitfenster für den Eintritt und könnt ausgewählte Attraktionen mit deutlich kürzeren Wartezeiten nutzen.
Tagesausflug 3: Glühwürmchen in Uji
Wer Anfang Juni in der Gegend ist, sollte unbedingt einen Abendausflug nach Uji einplanen. Im dortigen Botanischen Garten gibt es zur Saison ein Glühwürmchen-Event, bei dem die Tiere über einem gepflegten Bachlauf durch die Dämmerung schweben. Auffällig: Hier sind fast nur Einheimische. Für Kinder ist es schlicht magisch, hunderte kleine Lichter über dem Wasser.
Ein wichtiger Hinweis, der den Moment erst so besonders macht: In der Beobachtungszone sind Fotos, Handys und Taschenlampen verboten, weil Glühwürmchen extrem empfindlich auf Licht reagieren. Man schaut einfach, statt zu filmen. Plant eure Ankunft in die einsetzende Dämmerung, etwa ab 19:30 Uhr, dann ist das Lichterspiel am stärksten. Die Saison läuft nur wenige Wochen von Ende Mai bis Mitte Juni, der Garten hat dann verlängert geöffnet.
Shopping in Kyoto: Bentoboxen, Automaten und kleine Schätze
Während uns in Tokio vieles überfordert hat und wir gemerkt haben, dass wir in den großen Läden fast nur unter Touristen waren, konnten wir das Shoppen in Kyoto richtig genießen. Allein die Automaten sind für Kinder ein Erlebnis. Geht unbedingt einmal in einen Elektroladen, eine Drogerie und einen Supermarkt, nur zum Schauen. Ihr werdet alle Augen machen.
Dazu kommen die vielen kleinen, individuellen Stores, die es in dieser Dichte fast nur in Kyoto gibt: ein Geschäft nur für Bentoboxen, ein Laden für nachhaltige Mode, eine Rösterei neben der nächsten. Mitbringsel findet man hier ohne Mühe.
Kyoto mit Kindern war für uns die runde Mitte zwischen Stadt und Natur, zwischen Kultur und Spaß. Eine ruhige Basis, von der aus sich Japan in alle Richtungen öffnet: heilige Tore am Morgen, Rehe am Mittag, Glühwürmchen am Abend, ein Mario-Tag dazwischen. Genau diese Bandbreite an wenigen Tagen ist es, die Kyoto so wertvoll macht.
Kyoto war die letzte große Station unserer 14-tägigen Japan-Rundreise mit Kindern. Die komplette Route, alle Stationen und was wir heute anders machen würden, findet ihr in unserem großen Japan mit Kindern Überblicksbeitrag.






















