7 Europa-Escapes, die nach langem Sommer schmecken

Für Familien, die Slow Travel statt Animation suchen

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Es gibt diese Reisen, an die man sich Jahre später noch erinnert — nicht wegen einer Sehenswürdigkeit, sondern wegen eines Geruchs. Pinien am Atlantik. Sonnenwarmes Holz unter nackten Füßen. Apfelduft am Hotelfenster. Das salzige Brot beim Frühstück.

Seit 2017 reist The Urban Kids dieser Art von Sommer hinterher. Aus inzwischen 586 Lieblingsplätzen in 14 Ländern haben sich sieben Escapes herauskristallisiert, die immer wieder im Repertoire landen.

Natürlich alle selbst besucht, alle mit Kindern getestet, viele andere ausgemustert. Bretagne statt Provence, Burgenland statt Toskana, Ardèche statt Côte d’Azur. Bei allen sieben Tipps machen wir selbst richtig gerne Urlaub und schätzen Kulinarik, Kultur und Natur sehr.

1. Portugal: Stadt und Atlantik an einem Tag erleben

Lissabon und Porto gehören zu den am stärksten unterschätzten Familienstädten Europas. Beide kompakt genug, dass kleine Beine durchhalten. Beide lebendig genug, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt. Beide nah genug am Atlantik, dass nach drei Tagen Stadt der Strandtag ein Katzensprung ist.

Was Lissabon mit Kindern stark macht: die Hügel, die Trams, die Aussichtspunkte. Eine Stadt, die wie ein gebautes Abenteuer wirkt. Die Tram 28 ist nicht Verkehrsmittel, sondern rumpelnde Achterbahn mit Stadtblick. Belém ist Pflicht, kein Ratgeber-Tipp — Pastéis direkt aus dem Holzofen, das Maritim Museum nebenan, und in 25 Minuten ist Cascais am Wasser.

Porto ist Lissabons kleinere, kompaktere Schwester. Altstadt, Douro und Atlantik liegen 15 Autominuten auseinander — eine geografische Anomalie, die niemand sonst in Europa bieten kann. Eine Bootstour auf dem Douro in einem traditionellen Rabelo dauert eine knappe Stunde, und plötzlich versteht das Kind, was eine Brücke ist. Der Bahnhof São Bento mit seinen Azulejos ist ein Museum, das man im Vorbeigehen besucht.

Unsere Lieblingsplätze:

  • Baixa House, Lissabon – Apartments mit Geschmack mitten im Zentrum, gemacht für Familien, die auch mal selbst kochen wollen.
  • Boutique Hotel Malmerendas, Porto – portugiesisches Frühstück im Garten, Kinder haben Platz zum Spielen, und man wohnt trotzdem mittendrin.

2. Bretagne: Atlantik ohne Mittelmeer-Klischee

Bei Frankreich denken die meisten als Provence. Familienreise und Mittelmeer. Beides verständlich. Beides hat seinen Preis — im wörtlichen wie im stilistischen Sinn. Die Bretagne ist die Antwort darauf. Rau, ehrlich, mit einem Atlantik, der nicht warm ist, dafür aber alles andere kann.

Auf der Halbinsel Quiberon treffen Pinienwälder auf eine Côte Sauvage, an der Kinder stundenlang Muscheln sortieren können, während Eltern aufs Wasser schauen und endlich nichts denken müssen. Galettes, Crêpes und Caramel beurre salé sind das beste Trostpflaster für die Wassertemperatur, das jemals erfunden wurde.

Ein Familientag in der Bretagne folgt einem eigenen Takt: morgens mit dem Rad zum Markt, mittags am Strand picknicken, nachmittags Fahrradtour entlang der Steilküste, abends fangfrische Bouchot-Muscheln. Niemand verhandelt, niemand quengelt, niemand fragt nach Wifi. Wer noch eine Schicht draufpacken will: Belle-Île-en-Mer per Fähre. Tagesausflug, der bleibt.

Unser Lieblingsplatz:

  • Sauvage Quiberon (Collection Rivages) – Design-Cabanes zwischen Ozean und Pinien, ein Club House mit Familien-Tisch statt Kinder-Ecke und ein Konzept, das beweist: wild und gut gestaltet schließt sich nicht aus.

3. Südfrankreich: der Teil der Provence, den niemand auf Postkarten kennt

Die Klischee-Provence ist Lavendel, Brunnen, Café-Kitsch. Schön. Aber nicht die Provence, in die man mit Kindern fährt.

Die echte Familien-Provence liegt weiter im Inland. In der Ardèche, in den Cévennes, an den Wildflüssen, in den Schluchten. Hier ist Südfrankreich nicht Resort, sondern Naturraum mit Kanu, Kletterfelsen, prähistorischen Höhlen und einer Tagestemperatur, die im Wasser des Flusses endet, nicht im Hotelpool.

Eine Kanufahrt durch die Gorges de l’Ardèche dauert ein bis drei Tage. Mit Kindern reicht die Halbtagestour bis zum Pont d’Arc — jenem natürlichen Steinbogen, unter dem man durchpaddelt, statt ihn von der Aussichtsplattform abzufotografieren. Und falls es regnet (kommt vor): Die Caverne du Pont d’Arc ist die exakte Nachbildung der Chauvet-Höhle, in der 36.000 Jahre alte Wandmalereien zu sehen sind. Kinder verstehen Geschichte hier nicht, weil jemand davon erzählt, sondern weil sie sie sehen.

Wer es dann doch ans Mittelmeer zieht, fährt eine Stunde weiter Richtung Camargue. Wilde Pferde, rosa Flamingos, Salzfelder. Keine Strandpromenade weit und breit.

Unsere Lieblingsplätze:

  • Rives d’Arc (Collection Rivages), Ardèche – Cabanes mit Glasfront direkt am Fluss, 12 Hektar Park, Agroforstgarten gleich nebenan. Der einzige Binnenland-Standort, der mit Mittelmeer-Resorts mithalten kann.
  • Salines (Collection Rivages), Camargue – für alles, was nach Kanu noch Salz und Pferde dazu möchte.

4. Amsterdam und Rotterdam: zwei Niederländische Städte, ein Trip

Niederlande mit Kindern ist Städtereise ohne Stresslevel. Flach, fahrradfreundlich, museumsstark, nicht überrannt. Ein langes Wochenende reicht für beide Städte — per Zug 40 Minuten auseinander. Erstaunlich, dass das nicht mehr Familien machen.

Amsterdam ist Grachten, Vondelpark und Stroopwafels. Das NEMO Science Museum ist kein Museum, in das man „mit Kindern halt auch mal geht”, sondern eines, das man wegen der Kinder besucht und in dem Eltern erstaunlich viel lernen.

Rotterdam ist der Kontrast. Moderne Architektur, der Hafen, die spektakuläre Markthal. Das Maritiem Museum und das Kindermuseum Villa Zebra sind beide besser als ihre niederländischen Pendants. Und das Hotel, in dem die Geschichte endet, liegt wörtlich auf dem Wasser.

Unsere Lieblingsplätze:

  • MEININGER Hotel Amsterdam West – 15 Minuten vom Flughafen, per Tram im Zentrum, Familienzimmer ab 150 Euro für vier Personen inklusive Frühstück. Gaming Zone für die Großen, Gemeinschaftsküche für die kleinen Hunger-Notfälle.
  • SS Rotterdam – ja, wirklich ein Schiff. Ein ehemaliger Ozeandampfer als Hotel im Hafen. Kinderaugen leuchten beim Check-in, Elternaugen beim Frühstück mit Skyline-Blick.

5. St. Peter-Ording: die Nordsee, die Mittelmeer-Müdigkeit kuriert

Es gibt Sommer, in denen 35 Grad in Italien einfach keine gute Idee mehr sind. Für niemanden am Tisch.

St. Peter-Ording ist die Antwort darauf. 12 Kilometer Sandstrand, Pfahlbauten, Strandsegeln und ein Klima, das auch bei Hitzewellen anderswo bei freundlichen 22 Grad bleibt. Wattwanderung, Krabbenpulen, Strandkorb-Picknick.

Was an der Nordsee in den letzten Jahren leise passiert ist: SPO und das nahe Carolinensiel haben sich zu einer Design-Destination gemausert. Eine kleine Gruppe von Häusern hat verstanden, dass Nordsee nicht Kiefernholz und Möwentapete bedeuten muss. Sondern Architektur, Spa und ein Restaurant, in dem die Karte nicht in Kinder- und Erwachsenenwelt zerfällt.

Tagesausflüge nach Sylt (per Sylt Shuttle), Husum oder zu den Halligen sind machbar. Und der Westerhever Leuchtturm, bei Ebbe zu Fuß erreichbar, ist die Postkarte, die niemand auf der Karte hat. Kaffee mitbringen, eine Weile bleiben.

Unsere Lieblingsplätze:

  • Urban Nature, St. Peter-Ording – das Designhotel an der Nordsee, das die anderen still verändert hat. Architektur, gutes Essen, kein Animationszwang.
  • Daneben drei weitere Häuser mit jeweils eigenem Charakter: Silt & Sand, Küstenperle Strandhotel & Spa und NOORD Carolinensiel.

6. Burgenland: Wein-Mekka, über 3000 km Fahrradwege und Nationalpark

Das Burgenland ist Österreichs leise Antwort auf die Frage, was eine Familienreise sein kann, wenn man nicht in die Berge will. Und es überrascht jedes Mal aufs Neue.

Was das Burgenland nämlich kann: drei Landschaften in einem Bundesland. Im Norden die Steppe rund um den Neusiedler See. In der Mitte die toskanaartigen Hügel mit Weinbergen. Im Süden der wildflusshafte Naturpark Raab mit der Kellerstöckl-Landschaft, die niemand kennt, aber alle kennen sollten.

Nordburgenland: Der Neusiedler See ist Vogelparadies, Schilfsafari-Gebiet und Steppe — Schmetterlinge, Schilfgürtel und Wasservögel statt überlaufener See-Promenade. Eine Tour mit dem Ranger durch den Nationalpark Seewinkel zeigt Kindern, dass Naturkunde nichts mit Schule zu tun haben muss.

Mittelburgenland: Weinberge, sanfte Hügel, Buschenschank. Die Burgenland Trails bei Lutzmannsburg sind familientauglich. Und die Draisinentour zwischen Neckenmarkt und Oberpullendorf — schwer zu erklären, einfach zu lieben. Bahnfahren mit eigenem Antrieb durch Weinreben. Drei Stunden Strampeln, und kein Kind fragt, wie lange noch.

Südburgenland: Der Naturpark Raab, ein Dreiländer-Naturpark zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien, ist Geheimtipp im wörtlichen Sinne. Die Burg Schlaining bietet exklusive Kinderführungen, die wirklich gut sind.

Unsere Lieblingsplätze:

  • Kellerstöckl Königsberg, Hannersdorf – Weinreben ums Haus, kein Lärm, Sternenhimmel. Nichts für jemanden, der Entertainment sucht. Genau das Richtige für jemanden, der Stille sucht.
  • Tschardakenhof, Lutzmannsburg – Mittelburgenland-Basis für Weinberg-Touren und Burgenland Trails.
  • Guesthouses Neuer Strand, Breitenbrunn – Nordburgenland direkt am See.

7. Südtirol: Berge mit Dolce-Vita-Plus

Südtirol ist die einzige Region in den Alpen, in der man morgens Pasta isst, mittags wandert und abends einen Apfelschorle aus der Streuobstwiese hinterm Hotel bestellt. Apfelduft, Dolomiten-Licht und eine Küche, die selbst Kinder zur Vernunft bringt — ohne ein einziges Mal Pommes anzubieten.

Vinschgau, Meraner Land, Eisacktal sind die drei Familien-Hochburgen. Wandern mit Kindern funktioniert hier wirklich, weil Almen alle zwei Kilometer warten — mit Speckbrettl, Kaiserschmarrn und Apfelsaft. Wer in der Höhe quengelt, ist meistens nicht müde, sondern hungrig.

Bergspielplätze sind in Südtirol auch keine Animations-Antwort, sondern Teil der Landschaft. Schaukeln vor Dolomiten-Kulisse, Wasserspiele am Bergbach, Erlebniswege ohne Eintrittspreis. Kinder verstehen Bergliebe hier intuitiver als anderswo.

Im Süden geht Reisen am besten in Apfelblüten-Zeit (April/Mai) oder in der Almsommer-Saison (Juli/September). Mit dem Auto aus München: viereinhalb Stunden. Mit dem Zug: in sieben. Mit Gepäck setzt sich meistens das Auto durch.

Unsere Lieblingsplätze:

  • Hotel Schwarzschmied, Lana bei Meran: Slow Food und Spa, in dem Genuss kein Erwachsenenthema ist.
  • Farmhouse Torgglerhof, Südtirol: Apfelgarten, Pool und Produkte vom eigenen Hof. Geheimtipp für Familien, die nicht ins Hotel, sondern auf den Hof wollen.

Sieben Escapes, sieben Sprachen, sieben unterschiedliche Klimas. Was sie verbindet, ist nicht der gemeinsame Nenner Familienurlaub, sondern der gemeinsame Geschmack eines langen Sommers, in dem niemand am Tisch das Gefühl hat, Kompromisse zu machen.

Wenn das Hotel nicht in eine Kinder- und Erwachsenenwelt zerfällt. Wenn die Karte einen Wein hat, der wirklich gut ist, und gleichzeitig eine Apfelsaftschorle, die nicht aus dem Tetrapak kommt. Wenn die Eselwanderung vier Stunden dauert und niemand nach Wifi fragt.

Diese sieben Lieblingsplätze sind die Antwort darauf. Speichern für die nächste Reiseplanung lohnt sich. 

Praktische Infos im Überblick

Destination

Beste Reisezeit

Anreise ab DACH

Portugal März–Juni, September Flug 3 h
Bretagne Mai–September Auto 12 h / Flug + Mietwagen
Südfrankreich (Ardèche) Mai–Oktober Auto 8 h
Amsterdam / Rotterdam April–Oktober Zug 6 h / Flug 1,5 h
St. Peter-Ording Juni–September Auto 7 h ab München
Burgenland April–Oktober Auto 5 h ab München
Südtirol Mai–Oktober Auto 4,5 h ab München

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